Münsterland - Das Pättkes-Paradies
Reisetipps
und Informationen
Kaum irgendwo in Deutschland macht das Radwandern soviel Spaß
wie im Münsterland. Die ganze Landschaft ist von "Pättkes"
durchzogen, asphaltierten Wirtschaftswegen, auf denen kaum Autos
fahren. Und unterwegs gibt es viel zu erleben.
 |
Das
Münsterland wimmelt von kleinen Orten und einzelnen
Bauernhöfen inmitten weiter Felder, Wälder und
Wiesen. Ein dichtes Netz von "Pättkes", wie
man in diese Gegend die Wirtschaftswege nennt, verbindet
alle Gehöfte und Dörfer miteinander. Diese Wege
sind allesamt mit einfachen Asphaltdecken überzogen
worden und haben diese sanft gewellte Kulturlandschaft in
ein wahres Radfahrerparadies verwandelt. Ein weiterer Vorteil
für Fahrradtouristen: Die kaum von Autos befahrenen
Pättkes sind hervorragend ausgeschildert. |
Die Münsterländer
ordnen sich selber ausdrücklich als Norddeutsche ein: durchaus
weltoffen, aber mit einer gewissen Zurückhaltung. Über
ihre legendäre Beharrlichkeit, den "westfälischen
Dickkopf", geben sie erst Auskunft, wenn man sie auf die
Geschichte des Barons Gisbert von Romberg anspricht, der als "der
tolle Bomberg" (mit B wie Bombe) in die Annalen eingegangen
ist. Der exzentrische Aristokrat und Eisenbahnfreund hatte nämlich
immer, wenn der Zug an seinem Wohnort vorbeiführte, die Notbremse
gezogen und ohne mit der Wimper zu zucken die dafür fällige
Strafe bezahlt. So lange, bis die entnervte königlich- preußische
Eisenbahngesellschaft ihm endlich eine eigene Bahnstation baute.
Die gibt es noch heute: Sie liegt zwischen Dülmen und Münster,
in einem kleinen Dorf namens Buldern.
Die
100-Schlösser-Route führt über eine
Gesamtstrecke von 1250 Kilometern zu den schönsten Schlössern
und Burgen des Münsterlandes. Entlang dieser Route gibt
es viel zu sehen.
Den Wallfahrsort Telgte
zum Beispiel mit seiner malerischen Altstadt und dem modernen
Krippenmuseum gleich neben der Wallfahrtskapelle. |
 |
Oder das idyllische Golddorf
Einen (Werbeslogan "Gönn dir Einen!"), Sieger
des Bundeswettbewerbes "Unser Dorf soll schöner werden"
im Jahr 1993. Und natürlich die Schlösser.
Das "westfälische
Versailles" in Nordkirchen gehört dazu, dessen
Name schon verrät, was den Besucher dort erwartet: Barocker
Prunk vom Kristallüster über goldgerahmte Porträts
und üppige Deckengemälde bis hin zu feinsten Stuckverzierungen.
Die eindrucksvolle Anlage wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts
von damaligen Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg
nach dem Vorbild von Versailles in Auftrag gegeben. Heute gehört
das Schloß dem Land Nordrhein-Westfalen und dient als Sitz
der Fachhochschule für Finanzen.
 |
Nur eine gemütliche Fahrradstunde entfernt liegt der
Ort Lüdinghausen.
Das Städtchen wartet gleich mit drei Burgen auf: der
privaten Burg Kakesbeck, der Burg Lüdinghausen, und
der Ringmantelburg Vischering, Diese Anwesen, idyllisch
im Wasser gelegen und von altem Baumbestand umringt, beherbergt
das Münsterlandmusem und ein uriges kleines Restaurant
im Burgkeller - ein ideales Ausflugsziel. |
In Lüdinghausen
ist überdies eine alte Handwerkskunst des Münsterlandes
zu bewundern: der Blaudruck. Dabei werden Textilien wie Baumwolle
oder Leinen mit Hilfe von kunstvoll gearbeiteten Druckstöcken
aus Holz und Metall per Hand bedruckt, Nicht mit Farbe, wie die
Bezeichnung "Blaudruck" erwarten läßt, sondern
mit einer farbabweisenden Masse, die im Fachjargon "Papp"
heißt. Nach einer Trockenzeit von drei Monaten wird die
Stoffbahn mit einem Flaschenzug in den Färbebrunnen getaucht,
die chemische Reaktion mit dem Sauerstoff in der Luft führt
beim Trocknen dazu, daß sich der zuerst gelbliche Stoff
schließlich blau färbt, ein Vorgang, der durch die
Redensart "da kann man ein blaues Wunder erleben" auch
im Volksmund verewigt ist. Beim Auswaschen des Stoffes löst
sich die farbabweisende Masse dann ab und das aufgedruckte Muster
erscheint weiß auf blauem Grund.
Das Landgestüt Nordrhein-Westfalen
in Warendorf
Hier dreht sich alles ums "Zuchtmaterial", dessen "Interieur"
(Charakter) genauso hohen Anforderungen entsprechen muß
wie das "Exterieur" (der Körperbau) - ein ernsthaftes,
höchst unsentimentales Geschäft. Mit den Hengstparaden
im September und Oktober, bei der die Prachtexemplare der Westfälischen
Pferdezucht in action präsentiert werden, lockt Warendorf
jedes Jahr Tausende von Zuschauern aus dem In und Ausland auf
die historische Anlage des Landgestüts.
In der Stadt des Pferdes pflegt man aber nicht nur Reitsport
und Hengstaufzucht, sondern auch die Geschichte. Denn die reicht
weit zurück und begegnet dem Besucher sozusagen an jeder
Straßenecke. Die Häuser der Warendorfer Innenstadt
stammen aus verschiedenen Epochen bis zurück ins Mittelalter,
die meisten sind während der Weltkriege erhalten geblieben
und liebevoll restauriert worden. Dies verleiht der westfälischen
Kreisstadt eine Gemütlichkeit, die man sonst eher im süddeutschen
Raum findet.
Reisetipps für Münsterland
Anreise: Am Hauptbahnhof Münster/Westfalen halten
im Stundentakt InterCity-Züge aus nördlicher und südlicher
Richtung. RegionalExpress und RegionalBahnen verbinden die Stadt
mit den umliegenden Orten wie Warendorf oder Dülmen.
FerienTicket:
Das FerienTicket Münsterland kann zusammen mit einem Fernreiseticket
der Deutschen Bahn erworben werden. Detaillierte Informaitonen
sind an allen Fahrkartenschaltern der DB und in Reisebüros
mit DB-Lizenz erhältlich.
Fahrradverleih: Am Hauptbahnhof im Reisezentrum
gibt es einen Fahrradverleih der 200 Fahrräder bereithält.
Unter der Telefonnummer 0251/69 33 20 kann man sich vorab einen
Drahtesel reservieren lassen. Das empfiehlt sich besonders für
Gruppen. Ansonsten bietet fast jeder Ort des Münsterlandes
Mietfahrräder an. Bei den örtlichen Fremdenverkehrsvereinen
kann man sich informieren, wo.
Informationen:
Münsterland Touristik Zentrale
Hohe Schule 13, 48565 Steinfurt,
Telefon 02551 / 93 92 91,
Fax 02551 / 93 92 93
Verkehrsverein Lüdinghausen e.V.
Münsterstr. 37, 59348 Lüdinghausen,
Telefon 02591 / 780 08,
Fax 02591 / 780 10
Stadttouristik Telgte
Am Markt 1, 48291 Telgte
Telefon 02504 / 775 71,
Fax 02504 / 72015
Verkehrsverein Warendorf e.V.
Markt 1, 48231 Warendorf,
Telefon 02581 / 194 33,
Fax 02581 / 547 92
(Aus "Zug", Deutsche Bahn, Christiane Tichatschek)