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US-Präsident Bush sorgte am vergangenen Freitag höchstpersönlich dafür, dass
sich die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten im Finanzsektor
aufhellte. Das Signal reichte aus, um die Märkte deutlich ins Plus zu
bewegen, so dass am Ende der vergangenen Woche die meisten Indizes im Plus
schlossen. Der Dax beendete die Handelswoche mit einem Aufschlag von 1,7%,
europäische Standardtitel legten um 1,3% zu. Trotz Zinssenkungsphantasie
notierte der Dow Jones Index auf Wochenbasis fast unverändert (-0,16%). Nach
den größeren Kursverlusten der Vorwochen konnten sich japanische Aktien
wieder erholen - zum Wochenschluss blieb ein Plus von annähernd 2%. Gestützt
wurde die Entwicklung von einer Verteuerung von Dollar und Euro zur
japanischen Währung.
Bei den Anlegern in Asien machte sich in der abgelaufenen Woche ein wenig
Vorsicht breit. Nach zwei Wochen mit starken Kursgewinnen wird nun damit
gerechnet, dass es zu einer Verschnaufpause an den asiatischen Börsen kommt.
Inzwischen hat sich der als Benchmark-Index für die gesamte Region dienende
MSCI Asia Ex Japan von dem Tiefpunkt im Gefolge der Subprime-Krise um
immerhin 20% erholt, wozu nach Einschätzung von Analysten wesentlich
beiträgt, dass ausländische Investoren wieder Mittel in die Börsen der
aufstrebenden Nationen investieren. Von seinem Hoch, das der MSCI Asia Ex
Japan am 24. Juli erreicht hatte, trennen den Index nur noch gut 5 %.
Die Kurse an den internationalen Anleihemärkten legten in der letzten Woche
ebenfalls etwas zu. Der richtungweisende Bund Future schloss am Freitag mit
113,77 Punkten um 19 Ticks über dem Schlusskurs der Vorwoche. Insgesamt
haben sich die Märkte nach den Turbulenzen der letzten Wochen etwas
beruhigt. Die veröffentlichten Konjunkturdaten waren uneinheitlich: Während
die meisten Stimmungsindikatoren auf eine nachlassende Dynamik in
Deutschland und im Euroraum hinweisen, sprechen die Arbeitsmarktdaten aus
Deutschland für eine weiterhin positive Entwicklung. Die Konjunkturdaten aus
den USA waren im Allgemeinen solide. Mit Spannung wurde am Freitag die Rede
von Fed-Chairman Ben Bernanke in Jackson Hole erwartet. Seine Aussagen
wurden am Markt als bisher klarstes Signal für eine bevorstehende
Zinssenkung interpretiert. Bernanke betonte, dass die Fed bei ihrer
Zinsentscheidung auch die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten
berücksichtigen werde und sehr genau auf die aktuellen Konjunkturdaten
schaue. Zudem wies er darauf hin, dass die Entwicklung an den Finanzmärkten
einen großen Einfluss auf die Wirtschaft haben könnte. Rentenpapiere machten
daraufhin einen Teil ihrer Kursverluste, die sie aufgrund der positiven
Tendenz der Aktienmärkte am Freitag erlitten hatten, wieder wett.
Die Auswirkungen der US-Immobilienkrise auf die US-Wirtschaft sind aufgrund
der aktuellen Datenlage nur schwer absehbar. Die meisten der bisher
veröffentlichten Indikatoren spiegeln den Einfluss der Krise auf die
Wirtschaft noch nicht wieder. In dieser Woche stehen allerdings einige
wichtige Indikatoren an, deren Erhebungsperiode in die Zeit nach Ausbruch
der Turbulenzen fällt. Vor allem der ISM-Index wird Auskunft darüber geben,
wie stark sich die Kredit-krise auf die Unternehmensstimmung auswirkt. Mit
großer Aufmerksamkeit ist auch die Entwicklung der Arbeitslosenquote im
August zu beobachten, die am Freitag veröffentlicht wird. Möglicherweise
gibt es schon einige krisenbedingte Entlassungen im Finanzsektor. Da in der
Vergangenheit die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ein wichtiger Faktor für
Fed-Entscheidungen war, dürften die Zinssenkungserwartungen weiter zunehmen,
wenn die Arbeitslosenquote erneut gestiegen sein sollte. Auch das Beige
Book, in dem die zwölf regionalen Zentralbanken über die konjunkturelle Lage
in den Regionen berichten, wird große Beachtung finden.
Im Euroraum wird in dieser Woche die Zinsentscheidung der Europäischen
Zentralbank (EZB) im Mittelpunkt des Interesses stehen. Im Gegensatz zur
Vergangenheit besteht dieses Mal große Unsicherheit am Markt über den
Ausgang der Entscheidung. Nach der Äußerung des EZB-Präsidenten Trichet in
der Pressekonferenz im Anschluss an die letzte Sitzung schien eine
Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September bereits sicher. Die Turbulenzen
an den Finanzmärkten und die liquiditätszuführenden Maßnahmen der
Zentralbank aufgrund der Spannungen am Geldmarkt haben jedoch die
Zinserhöhungserwartungen wieder gedämpft. Die Äußerungen aus EZB-Kreisen
sind uneindeutig. Einmal heißt es, die gegenwärtige geldpolitische Haltung
sei nach der letzten Sitzung kommuniziert worden - danach wird es eine
Zinserhöhung geben. Ein anderes Mal äußert sich Trichet, dass die
Zentralbank sich alle Möglichkeiten offen halte und flexibel auf die
Datenlage reagieren werde. Neben der Zinsentscheidung stehen mit den
Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und den Euroraum sowie den
Auftragseingängen in der Industrie in Deutschland weitere wichtige Daten auf
der Agenda.
Fazit:
Die Auswirkungen der Subprime-Krise werden auch in der laufenden Woche ein
wesentlicher Faktor für die Kursentwicklung sein. Angesichts der heterogenen
Datenlage spricht einiges dafür, dass sich die Volatilität an den
Aktienmärkten zunächst fortsetzen wird. Hinzu kommt die allgemeine Skepsis
der Investoren wegen des traditionell eher schwachen Börsenmonats September.
Charttechnisch hat der Dax seine Widerstandszone bei 7.600 Punkten
durchbrochen, begleitet allerdings von sehr dünnen Umsätzen. Obwohl sich das
Bild etwas aufgehellt hat, sind die Probleme noch nicht vom Tisch. Nach
einer kurzen Beruhigungsphase gehen wir daher wieder von leichteren
Notierungen aus. Rezessionssorgen, erste Zwischenberichte von US-Brokern und
der große Verfallstermin am 21. September machen einen nochmaligen
Kursrückgang um bis zu 5% möglich. Ein nachhaltiges Unterschreiten der Marke
von 7000 beim DAX ist aber unwahrscheinlich. Die drei großen Indizes DAX,
Dow Jones und Nikkei werden am Jahresende höher stehen. Diese Prognose
erscheint heute zwar ambitioniert, gibt aber die Richtung auf dem Weg zu
mittelfristig deutlich höheren Aktienkursen vor. Ähnlich wie 1995 und 1998
wird sich ex post die Kurskorrektur wahrscheinlich als Zwischenschritt zu
neuen Allzeithochs (USA/Deutschland) herausstellen.
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihre
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