Börsenbrief
18.01.2007


   
 
 
 

Die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten blieb auch in der zweiten Woche des neuen Jahres durchweg positiv. Der Dax profitierte von guten Wirtschaftsdaten und beendete die Handelswoche mit einem Plus von 1,7%. Der EuroStoxx50 gewann 1,1%, der Stoxx50 sogar 1,3%. Der amerikanische Markt machte die Verluste der Vorwoche mehr als wett und legte um rund 1,3% zu.

Nachdem die dortige Berichtssaison mit Alcoa hoffnungsvoll startete, engagierten sich die Anleger wieder vermehrt in Aktien.
Unter starken Schwankungen schloss der Nikkei-Index bei 17.057 Punkten und somit 0,2% niedriger als in der Vorwoche. Nach dem rasanten Kursanstieg seit Ende November letzten Jahres - immerhin legte der Nikkei um gut 10% zu - trennten sich Investoren nun partiell von Titeln, bevor die japanische Notenbank am Ende dieser Woche über die künftige Geldpolitik berichtet.

In Deutschland überraschten Metro und SAP die Märkte mit (vorgezogenen) Zahlen. Der Handelskonzern Metro hat im letzten Jahr die eigenen Prognosen übertroffen - der Umsatz stieg um 7,5% auf rund 60 Milliarden Euro. Im Mittelpunkt des Interesses standen allerdings die Papiere des Softwarekonzerns SAP. Das Unternehmen veröffentlichte am Freitag Geschäftszahlen, die die Erwartungen der Analysten deutlich verfehlten. Im Gefolge brachen die Aktien um bis zu 9% ein. Als Ursache wurden die unter den Schätzungen liegenden Lizenzumsätze mit geringeren Wachstumsraten gesehen. In den nächsten Wochen gehen wir zunächst von einer Seitwärtsbewegung im Bereich der heutigen Kurse aus. Am 24. Januar wird SAP auf einer Analystenkonferenz neben den endgültigen Zahlen auch einen Ausblick für 2007 veröffentlichen. Wir erwarten, dass das Unternehmen hier eine vorsichtige Prognose abgeben wird, nachdem die Latte in 2006 offensichtlich zu hoch gelegt wurde. Wir rechnen weiterhin mit einer deutlichen Steigerung der Umsätze in den nächsten Jahren - nicht zuletzt aufgrund einer verstärkten Durchdringung bei mittelgroßen Unternehmen - sowie einer Ausweitung der Margen. Für einen eventuellen Einstieg wird sich unserer Meinung nach ein Zeitfenster von einigen Wochen ergeben, so dass wir raten, Kurse um 38 Euro für einen Neueinstieg zu nutzen.

Als neue Kaufempfehlungen haben wir BMW und Roche in den Fokus gestellt. Der Automobilbauer ist besonders im profitablen Premium-Segment gut positioniert und mit einem KGV von 11 relativ günstig. Roche ist im Bereich Forschung, Healthcare und Lifestyle-Drugs gut aufgestellt und dürfte für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006 gute Zahlen veröffentlichen. Ebenfalls neu empfehlen wir Aktien der Software AG zum Kauf. Das Unternehmen aus dem TecDax hat sich auf den Bereich Datenmanagement und Datenspeicherung spezialisiert und erzielt Margen von über 20%. Schließlich haben wir den Weltmarktführer für Wasserwirtschaft, Veolia, neu auf unsere Kaufliste gesetzt. Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten heute außerhalb von Frankreich, wo das Unternehmen vor rund 150 Jahren gegründet wurde. Im Jahr 2005 erzielte Veolia allein im zukunftsträchtigen Bereich Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung einen Umsatz von knapp 9 Milliarden Euro.
An den internationalen Rentenmärkten herrscht weiter getrübte Stimmung.

Grund dafür waren die robusten Konjunkturdaten sowohl in Amerika als auch in Europa. Bewegung in die Märkte brachten die Sitzungen der Bank of England (BoE) und der EZB.
In den USA beendete Fed-Vize Donald Kohn die Spekulationen um erste Zinssenkungen. Er betonte nochmals die Sicht der US-Notenbank, dass man zwar den Immobilienmarkt als Risikofaktor für die Konjunktur sehe, es aber noch zu früh sei, um die Wachsamkeit gegenüber inflationären Gefahren zu vermindern. Zur Wochenmitte belasteten hohe Emissionsvolumina, der überraschend starke Rückgang des US-Handelsbilanzdefizits und ein weiter fallender Ölpreis die Kurse der Festverzinslichen.

An den europäischen Rentenmärkten erwarteten die Marktteilnehmer am Donnerstag mit Spannung die Sitzungen der BoE und der EZB. Nur wenige Stunden vor der EZB-Entscheidung überraschte die Bank of England die Märkte mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf ein Niveau von 5,25%. Bereits seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres versucht die BoE, die Inflation durch eine restriktivere Geldpolitik unter Kontrolle zu halten.

Die EZB hingegen beließ den Leitzins wie erwartet bei 3,50%. In einer Pressekonferenz betonte Präsident Trichet die Aufgabe der europäischen Währungshüter, die Konjunktur akkomodierend zu begleiten und dabei nachdrücklich sowie zeitgerecht zu handeln. Anders als auf den vorangegangenen Pressekonferenzen verwendete der Notenbankchef eine abgemilderte Rhetorik. Bisher bereitete die EZB die Märkte durch die Formulierung "die Inflationsrisiken müssten sehr aufmerksam beobachtet werden" auf einen Zinsschritt vor. Einen Monat später wurde diese Formulierung durch das Schlüsselwort "Wachsamkeit" verschärft, womit eine Zinserhöhung im Folgemonat de facto angekündigt wurde. Noch im Dezember hatte Trichet die Notwendigkeit betont, die Inflationsrisiken "sehr aufmerksam" zu verfolgen. Wir ändern daher unsere Einschätzung und gehen nun von einem weiteren Zinsschritt (von 3,50% auf 3,75%) erst im März 2007 aus.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen notiert mit 4,06% aktuell wieder über der 4%-Marke. Wir gehen auch für die neue Woche von einem leichten Abwärtsdruck an den Rentenmärkten aus. Die Verbraucherpreise für den Monat Dezember und der ZEW-Indikator sollten keine Überraschungen bringen. Eine weitere Zunahme des Abwärtsdrucks droht eher aus den USA. Hier werden am Donnerstag die Verbraucherpreise für den Dezember veröffentlicht. Eine ähnliche Überraschung wie bei den Arbeitsmarktdaten zu Beginn des Jahres oder den Einzelhandelsumsätzen am vergangenen Freitag würde die Zinsängste wieder aufleben lassen und die Anleihenmärkte zusätzlich unter Druck setzen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihre

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